Rotes Kreuz schafft Kleidersammlung ab
Das BRK stellt seine Altkleidersammlung im Landkreis Wunsiedel ein. Ab Montag, 17. Februar, können an den Rot-Kreuz-Häusern keine Spenden mehr abgegeben werden. Das sind die Gründe. Foto : Imago

Marktredwitz/Selb/WunsiedelWer im Landkreis Wunsiedel alte, aber noch brauchbare Hemden, Hosen oder Schuhe entsorgen möchte, wird sie beim Bayerische Rote Kreuz (BRK) los. Seit Jahrzehnten stellt es rund 30 Sammelcontainer auf den Wertstoffhöfen bereit, organisiert ehrenamtliche Haussammlungen und betreibt Kleidersammelstellen an den Rot-Kreuz-Häusern in Selb, Wunsiedel und Marktredwitz – doch nicht mehr lange.
Das BRK zieht sich noch in diesem Monat aus der Altkleidersammlung zurück. Schon ab Montag, 17. Februar, können keine Altkleider mehr an den Sammelstellen der Rot-Kreuz-Häuser abgegeben werden. Den Betrieb der Kleidercontainer auf den Wertstoffhöfen wird das Kommunalunternehmen Umweltschutz Fichtelgebirge (Kufi) übernehmen. „Das BRK wird dann keine Kleider mehr annehmen“, sagt BRK-Kreisgeschäftsführer Thomas Ulbrich.
Er nennt den Hauptgrund, der das Bayerische Rote Kreuz zu dieser Entscheidung gezwungen hat: „Unser langjähriger Partner, der Textilhändler Bilshein, konnte unsere Altkleider nicht mehr aufnehmen. Er hat uns im vergangenen Herbst den Abnahmevertrag aus wirtschaftlichen Gründen gekündigt.“ Die Kündigung begründete der Textilhändler laut Ulbricht mit den gefallenen Weltmarktpreisen, der Qualität der Ware, hohen Energie- und Transportkosten, aber auch den gestiegenen Personalkosten.
Dass es schwieriger werde, gespendete Kleidungsstücke weiterzugeben, habe sich bereits während der Corona-Pandemie abgezeichnet. „Viele Menschen nutzten die Gelegenheit, um ihre Kleiderschränke auszumisten“, erklärt Ulbrich, der im Dachverband frühzeitig auf die Situation hingewiesen habe. Seitdem hat sie sich weiter verschlechtert: „Zwischenzeitlich mussten im Kreisverband mehr als 20 Tonnen Altkleider dauerhaft zwischengelagert werden.“ Zur Einordnung: Das BRK sammelt, sortiert und gibt pro Jahr im Landkreis Wunsiedel zwischen 105 und 120 Tonnen an Alttextilien weiter.
Seitdem chinesische Onlineplattformen wie Temu oder Shein den Altkleidermarkt mit Billigbekleidung in geringer Qualität überschwemmen, steht das Textilrecycling vor einer weiteren Herausforderung: „Die China-Kleidung lässt sich nur bedingt wiederverwenden oder recyceln und muss größtenteils teuer entsorgt werden.“ Ulbrich beobachtet: „Auf der einen Seite steigen die Mengen an Altkleidern und die Kosten für deren Erfassung – auf der anderen Seite sinkt die Qualität der Textilien, die weiterverwendet werden können.“ Die Situation sei nach wie vor kritisch und ein Ende nicht absehbar.
Umso trauriger ist der BRK-Kreisgeschäftsführer darüber, sagen zu müssen: „Trotz zahlreicher Bemühungen ist es uns nicht gelungen, einen adäquaten Ersatzpartner zu finden. Es besteht derzeit kaum Nachfrage nach Altkleidern auf dem Weltmarkt.“
Neben der Kündigung des Abnahmevertrages gibt es aber auch weitere Gründe, die in die Entscheidung des BRKs eingeflossen sind. Vor allem einer ärgert Ulbrich: „Die Altkleidersammelstellen in Marktredwitz, Selb und Wunsiedel werden regelrecht zur Restmüll- und Matratzenentsorgung genutzt.“ Eigentlich sollten die gespendeten Textilien für die Weiterverwendung gut verpackt eingeworfen werden, leider sei das Gegenteil tägliche Realität: „Kleidungsstücke werden lose, mit stark verschmutzten, löchrigen und zerstörten Stücken bei uns in die Sammelbehältnisse geworfen.“ Unangenehm sind laut Ulbrich eingeworfene Mülltüten mit vergammelnden Lebensmitteln. Auch der Eingangsbereich vor dem Rot-Kreuz-Laden in Marktredwitz sei zur Müll- und Sperrmüllablagerung missbraucht worden. „Erst der Einbau eines Absperrgitters und der Rückbau der dortigen Sammelcontainer konnte Abhilfe schaffen“, erklärt er.
Ulbrich verdeutlicht die Lage mit einem Zahlenbeispiel: „Allein bei der Sortierung unserer gesammelten Altkleider entstehen je gesammelter Tonne rund 200 Kilogramm Restmüll, der teuer von uns entsorgt werden muss.“ Eine neue Richtlinie der EU sollte für besseres Recycling sorgen. Sie ist am 1. Januar in Kraft getreten und hat zum Ziel, Müllmengen nach und nach zu reduzieren, so Ulbrich. „Bislang werden innerhalb der EU weniger als die Hälfte aller Altkleider gesammelt, um sie wiederzuverwenden oder zu recyceln. Nur ein Prozent der neuen Kleidung entsteht bisher aus Alttextilien“, erklärt er.
Ulbrich erkennt: „Das bisherige Sammlungsmodell steckt in der Krise und kann von uns auf Dauer nicht mehr aufrechterhalten werden. Eine Kostendeckung ist bei uns seit 2022 nicht mehr gegeben.“ Dabei verfolgt das Rote Kreuz eigentlich das Ziel, mit den Erlösen seine sozialen Aufgaben zu finanzieren: Kindergruppen, die Jugend- und Seniorenarbeit profitieren von diesen Mitteln.
Ein weiteres wichtiges Beispiel ist der Rotkreuz-Laden „Henry“ in der Ludwig-Thoma-Straße 33 in Marktredwitz. Hier erhalten obdachlose Menschen kostenlos Kleidung. In diesem Zusammenhang hat Ulbrich zumindest eine positive Nachricht: Auch in Zukunft nehmen die Mitarbeiter der Laden gespendete Kleidungsstücke gerne persönlich entgegen. „Wir bitten jedoch um Verständnis, dass unsere Mitarbeiter angehalten sind, Altkleider im modrigen, schmutzigen und beschädigten Zustand zurückweisen.“
Wo kann man künftig alte Kleidung entsorgen? Ab dem 17. Februar kann die Bevölkerung weiterhin ihre alte Kleidung an verschiedenen Sammelstellen im Landkreis entsorgen. Dazu gehören die kirchlichen Altkleidercontainer sowie die Sammelbehälter auf den Wertstoffhöfen des Landkreises. Zu den bekannten Betreibern zählen die Johanniter, Malteser, Diakonie, das Kaufhaus Lukas und Kolping.
Abschließend sagt der BRK-Kreisgeschäftsführer: „Es schmerzt mich sehr, dass wir uns aus der Altkleidersammlung zurückziehen müssen, die traditionell mit dem Roten Kreuz sehr stark verbunden war. Ich sehe jedoch keine andere Möglichkeit zurückzuziehen. Wir bedanken uns bei allen Spendern, die uns durch ihre jahrelange Kleiderspende bei der Bewältigung unserer sozialen Aufgabenfelder unterstützt haben.“
Sophia Goldner /Frankenpost
Ab dem 17. Februar nimmt das BRK keine Altkleider mehr an.
Kleidercontainer auf Wertstoffhöfen werden vom Kommunalunternehmen Umweltschutz Fichtelgebirge übernommen.
Alternativen: Johanniter, Malteser, Diakonie, Kaufhaus Lukas, Kolping.
Rotkreuz-Laden „Henry“ in Marktredwitz nimmt weiterhin gut erhaltene Kleidung an.